„Einbeck hat eine unglaubliche Dynamik“ – Nina Lajcsak im Gespräch über die Zukunft der Mendelssohn Musikschule
Einbeck. Seit Oktober steht die Mendelssohn Musikschule Einbeck e.V. (MMS) unter neuer Leitung: Nina Lajcsak bringt frischen Wind, ein vielseitiges kulturelles Profil und klare Ideen für die musikalische Bildung in der Region mit. Ich habe mich mit der 28-jährigen Kulturwissenschaftlerin auf ein Gespräch über Wegstrecken, neue Impulse und soziale Teilhabe getroffen.
Martin Keil: Nina, herzlich willkommen in Einbeck! Seit Oktober bist Du nun offiziell die neue Leitung der Mendelssohn Musikschule. Welcher Impuls hat Dich letztlich dazu bewegt, diese Aufgabe hier bei uns anzutreten?
Nina Lajcsak: Ganz ehrlich: Die MMS ist wohl die schönste Musikschule weit und breit! Aber es war nicht nur das Gebäude selbst. Mich hat die erstaunliche kulturelle Vielfalt in Einbeck fasziniert – das habe ich in dieser Form gar nicht unbedingt erwartet. Außerdem mag ich die Überschaubarkeit der Stadt: Man kennt sich schnell, und die Wege sind extrem kurz. Das gilt nicht nur für die Distanzen vor Ort, sondern vor allem für den direkten Dialog mit potenziellen Partnern. Hier lässt sich unkompliziert etwas bewegen.
Martin Keil: Mit 28 Jahren bist Du vergleichsweise jung für so eine Leitungsfunktion. Welche Erfahrungen und Schwerpunkte bringst Du mit, die Du jetzt für die Entwicklung der Musikschule nutzen möchtest?
Nina Lajcsak: Es stimmt, klassische Führungserfahrung in diesem Umfang steht natürlich noch nicht meilenweit in meinem Lebenslauf. Aber ich habe in den letzten Jahren sehr gezielte Kompetenzen gesammelt, die genau hier greifen. Mein Studium der Kulturwissenschaften und ästhetischen Praxis hat mir fundierte Werkzeuge an die Hand gegeben – von Netzwerkarbeit über Öffentlichkeitsarbeit bis hin zur Interdisziplinarität. Ich habe mich intensiv mit Weltmusik und Filmmusik beschäftigt und gelernt, wie man kreative Angebote von Grund auf eigenständig plant, finanziert und umsetzt.
Martin Keil: Du hast vor Deinem Antritt auch im Green Office der Universität Hildesheim gearbeitet. Welchen Stellenwert hat das Thema Nachhaltigkeit für Dich im Musikschulalltag?
Nina Lajcsak: Einen zentralen! Mir geht es da nicht nur um einen bewussten Umgang mit Ressourcen im Gebäude. Nachhaltigkeit bedeutet für mich im kulturellen Kontext vor allem soziale Teilhabe und auf echten Bestand angelegte Angebote. Musikschularbeit darf kein Strohfeuer sein, sondern muss Strukturen schaffen, von denen Menschen dauerhaft und barrierefrei profitieren.
Martin Keil: Blicken wir kurz auf Dein eigenes musikalisches Fundament: Welchen Bezug hast Du selbst zum praktischen Musizieren?
Nina Lajcsak: Musik begleitet mich schon seit meiner Kindheit. Ich bin auf dem Otto-Hahn-Gymnasium im Musikzweig ausgebildet worden, hatte dort den Musik-Leistungskurs und habe im Jugendsymphonieorchester gespielt. Mein Hauptinstrument ist die Querflöte, die ich mit elf Jahren begonnen habe, nachdem ich bereits mit acht Jahren am Klavier saß. Später ging es für mich unter anderem für drei Monate nach Ecuador – ein Projekt, das vom Hamburger Verein Musiker ohne Grenzen getragen wurde. Das hat meinen Blick auf die verbindende Kraft von Musik noch einmal stark geprägt.
Martin Keil: Wenn Du in die Zukunft blickst: Gibt es konkrete Ideen für die musikalische Bildung in Einbeck, die Du schon länger im Kopf hast und hier verwirklichen möchtest?
Nina Lajcsak: Ich bringe natürlich viele Impulse mit, aber mir ist eines besonders wichtig: Ich möchte die Weiterentwicklung der MMS nicht im stillen Kämmerlein beschließen. Ich bin extrem offen für Vorschläge und Ideen aus der Elternschaft, vom Lehrkollegium und von allen Menschen in der Stadt, die sich für die Vielfalt der Musikschule engagieren wollen. Ideen entstehen am besten gemeinsam im Dialog – und darauf freue ich mich jetzt am meisten.
Martin Keil: Du stammst ursprünglich aus Göttingen und kennst Südniedersachsen bestens. Zum Schluss die persönliche Frage: Kannst Du Dir Einbeck mittelfristig auch als festen Wohnort vorstellen?
Nina Lajcsak: (lacht) Wenn es so gut weitergeht wie derzeit angedacht, ist das absolut nicht abwegig! Ich komme aus Göttingen, daher ist die Region ohnehin meine erweiterte Heimat – und Einbeck macht es einem wirklich leicht, sich hier schnell zuhause zu fühlen.
Martin Keil: Liebe Nina, vielen Dank für das offene Gespräch und einen fantastischen Start an der Mendelssohn Musikschule!




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